Gerhards Matchbericht// SC Neusiedl am See – SC Wiener Viktoria

Ein Viktorianer on Tour

 

SC Neusiedl am See – SC Wiener Viktoria

 

RLO-Saison 2023/24, 10. Runde, 29.09.2023

 

Danke!

Der Herbst zog ins Land. Die Temperaturen blieben hochsommerlich. Es wird schön langsam Zeit die Hemdsärmel hoch zu strecken, um endlich etwas gegen die hausgemachten Wetterkapriolen zu unternehmen. Nicht durch reden, sondern zur Abwechslung mal mit Taten. Meine Sympathie zu den Klimaaktivisten wächst. Zumindest bezüglich ihres Gedankenguts. Ihre sinnlosen Aktionen helfen uns genauso wenig wie das endlose Geschwafel unserer Obrigkeiten.

An den glücklicherweise etwas kühleren Abenden, wurden wir mit den Spielen des österreichischen Fußballcups verwöhnt. Zumindest hofften wir auf den ein oder anderen Leckerbissen. Cup, das schreit ja schon nach den beinharten Fights der aufopfernd kämpfenden Davids gegen die unschlagbaren Goliaths. Der Fall der großen Favoriten. Geboten wurde uns jedoch eine sehr fettarme und trockene Schonkost. Dafür waren die Essensempfehlungen unseres Bundeskanzlers weit fetthaltiger. Schon triefend vor Fett, ausreichend für ein riesengroßes Fettnäpfchen.

Schuster bleib bei deinen Leisten. Also schnell weg von unseren Alltagsproblemen, zu dem was uns hier wirklich interessiert: das Spiel unserer Viktorianer am Freitagabend! Im klimatisierten Mannschaftsbus ging es am späten Nachmittag zum Meisterschaftsspiel nach Neusiedl am See. Die Burgendländer rangierten in der Tabelle knapp hinter uns, waren nach dem überraschenden Auswärtssieg in der Vorwoche bei Traiskirchen, durchaus darauf aus, ihren Höhenflug fortzusetzen und auch gegen unser Team zu reüssieren. Da auch unsere Viktorianer mit einem wahrhaftigen Erfolgsrun in den letzten Runden aufweisen konnten, stand einem spannenden Spiel auf Augenhöhe nichts im Wege.

In Neusiedl angekommen, konnte ich mit Freude feststellen, dass die Sturm-Zeit bereits voll angebrochen war. Zum noch eher süßlichen Traubensafte wurde uns der bereits gute, alte Bekannte, der „schoafe Fraunz“ kredenzt: ein scharfer Puszta-Käse-Leberkäse. Eine Gaumenfreude, die uns immer die Reisen an das Meer der Wiener versüßte. Dies war bisher auch immer notwendig, da wir von hier noch nie mit drei Punkten nach Hause gereist waren. Leider war der „schoafe Fraunz“ diesmal noch etwas unterkühlt. Es musste uns daher unsere Wiener Viktoria die Reise verschönen, und drei Punkte für die Heimreise einsammeln.

Fünf verletzte Stammspieler, nur mehr drei Mann auf der Reservebank. Der Verletzungsteufel hatte bei den Meidlingern Einzug gehalten. Aber jammern hilft nichts dagegen. Somit ging man im „neuen Anzug“ die Mission „Auswärtssieg“ selbstbewusst an. Trotzdem merkte man der Mannschaft die Umstellungen in den Anfangsminuten an. Es fehlte einfach die Selbstverständlichkeit, das blinde Verständnis der letzten Begegnungen. Das zusammengeschweißte Kollektiv. Aber bereits nach wenigen Minuten gaben sich diese Mankos und die Viktorianer boten, der „wie aus der Pistole geschossen“ Heimmannschaft, herzhaften Widerstand. Nein, nicht nur Widerstand, man begann das Match zu kontrollieren. Es war nun ein tolles, schnelles und kampfbetontes Spiel. Guter, moderner Fußball auf beiden Seiten. Das Einzige das es vielleicht zu bemängeln gab, waren die fehlenden Strafraumszenen. Andererseits ein Zeichen der blendend agierenden Verteidigungslinien.

Generell möchte ich einmal das hohe Niveau der Regionalliga Ost hervorheben. Die Liga setzt durchwegs auf junge Spieler, die einen Woche für Woche spannenden Fußball liefern. Jeder kann jeden schlagen. Es wird in allen Vereinen hervorragende Arbeit geleistet. Ob Auf- oder Absteiger, ob Wien, Niederösterreich oder Burgenland. Die Leistungsdichte ist sehr hoch. Es macht einem einfach Spaß, Spiele dieser Liga zu besuchen. Weiter so! Es gibt höhere Ligen, wo dem nicht so ist. Aber zu dem komme ich noch später.

Zurück zum Spiel. Nach einer halben Stunde gelang es der Heimmannschaft dann doch in unserem Strafraum einzudringen. Ein kurzer Ausrutscher unserer Verteidigung, gefolgt von einem leichten Stellungsfehler und schon war es passiert. Neusiedl ging mit 1-0 in Führung. Kann passieren, schön gespielt. Schnell verdrängen, einfach weiterspielen. Die Viktorianer ließen sich vom Gegentreffer nicht beeindrucken, zogen ihr Spiel weiter durch, und kamen in den letzten Minuten der ersten Halbzeit noch zu der ein oder anderen Strafraumsituation, etwas Zählbares gelang noch nicht. So ging es in die Halbzeitpause. Kein Grund zu grübeln oder den Kopf hängen zu lassen. Die Leistung stimmte und es war noch genug Zeit das Match zu kippen. Apropos Zeit: es war an der Zeit die leeren Sturm Becher aufzufüllen und die herrlich riechenden Käsekrainer zu verköstigen.

Gestärkt starteten Alle in den zweiten Durchgang. Die Meidlinger legten fulminant los und zogen ein sagenhaftes Powerplay auf. Es erinnerte an die Leistung gegen Leobendorf. Die Hausherren wurden an die Wand gespielt. Es war einfach schön zuzusehen. Der Gegner wurde laufen gelassen, der Ball lief wie am Schnürchen und es wurden jede Menge gefährliche Angriffe kreiert. Der logische Ausgleich fiel nach knapp einer Stunde Spielzeit. Aus dem Zentrum ein wunderbarer langer Pass rechtsseitig in den Strafraum, ein läuferischer Kraftakt von unserem Dominik, Gegner versetzt, Ball ideal vor das Tor gebracht und Danke gesagt. Eine Weltklasse Aktion, perfekt abgeschlossen. Die Hausherren wankten, die Viktorianer wollten den Sieg!

Zudem kam es leider nicht mehr. Es gab genug Chancen dafür, aber der Ball wollte nicht mehr über die Linie. Bei einem klaren Foul im Sechzehner blieb der Pfiff des Schiedsrichters aus. Bei manch guten Angriffen fehlte das Glück beim Abschluss. Dies stand uns jedoch ganz knapp vor Schluss doch noch bei. Die einzig gefährliche Situation der Neusiedler in der zweiten Hälfte ging knapp am Tor vorbei. Ansonsten war von den Hausherren die gesamte Hälfte nichts mehr zu sehen.

Gewonnener Punkt? Verlorener Punkt? Kann man sehen wie man will. Ich tendiere zum verlorenen Punkt. Es war eine Spitzenvorstellung unserer Mannschaft. Temporeich mit feiner technischer Klinge. Kompliment an die Jungs, besonders an die neu in die Mannschaft gekommenen. Sie haben ihre Aufgabe perfekt erfüllt. Es war phasenweise kein Unterschied zur Stammmannschaft zu sehen. Ich glaube jedoch, dass wir das Spiel mit weniger Verletzten gewonnen hätten. Wir spielten neunzig Minuten ohne Wechsel. Das geht einfach an die Substanz. Hätte es die Möglichkeit gegeben frische Kräfte auf den Platz zu bringen – bin ich überzeugt – wären wir mit drei Punkten im Gepäck nach Meidling zurückgekehrt.

Somit geht der spannende Kampf an der Tabellenspitze weiter. Sechs Mannschaften haben sich ein klein wenig abgesetzt. Liegen innerhalb von nur drei Punkten. Nicht weit dahinter lauern vier weitere Mannschaften, um noch vorne mitzumischen. Wie bereits gesagt eine super spannende Liga. Woche für Woche wichtige Spiele. So auch am kommenden Samstag 07.10.2023 um 16.00 Uhr am Viktoriaplatz gegen den FavAC. Und ich bin mir wieder sicher, dass wir mit eurer Unterstützung den Heimsieg ins Trockene bringen können, und ihm anschließend beim Oktoberfest am Platz ausgiebig feiern können. Ich hoffe IHR Alle seid dabei!

Zum Schluss noch kurz zurück zur Bundesliga. Eine Liga, die ich sehr wenig konsumiere. Diesmal habe ich mich auf das Wiener Derby gefreut. Beiden steht das Wasser bis zum Hals. Beide müssten rennen bis zum Umfallen. Dazu das Prestige eines Derbysiegs.

Irrtum! Jetzt weiß ich warum den Teams das Wasser bis zum Hals steht. Das hat mit Fußball nichts zu tun gehabt. Es war ein lustloses Schaulaufen mit erheblichen fußballerischen Schwächen. So sehr ich die Arbeit der Vereine im Amateurbereich schätze, das war einfach nichts. Einfach enttäuschend.

Darum liebe Viktorianer: lasst uns dankbar sein unsere Mannschaft zu haben. Sagen wir unserer SC Wiener Viktoria einfach Danke. Danke, dass wir zum Fußball gehen und nicht zu den Wiener Bundesligavereinen!

Bis bald, Gerhard

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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