Gerhards Matchbericht// SC Wiener Viktoria – TWL Elektra

Ein Viktorianer on Tour

SC Wiener Viktoria – TWL Elektra

RLO-Saison 2023/24, 19. Runde, 16.03.2024

Der Wurm

Seit dem Schlusspfiff spuckt mir dieses Spiel im Kopf herum. Es ist bereits Donnerstagabend und ich weiß noch immer nicht, wie und was ich über das Match schreiben und berichten soll. Viel ist es nicht. Es war sicherlich eine der schlechteren Saisonleistungen, in der nur einer aus der Mannschaft seine Normalleistung brachte, diese mit einem Doppelpack krönte und der Mannschaft wenigstens einen Punkt sicherte. Danke Dominik!

Sicherlich habe ich schon einige Begegnungen schöngeschrieben. Es fiel mir nie besonders schwer bei enttäuschenden Leistungen das positive heraus zu suchen und zu Papier zu bringen. Ich finde keine Erklärung warum ich x-fach Gewohntes nicht einfach auch ein x plus erstes Mal anwende.

Vielleicht will ich den Verein, der mir ans Herz gewachsen ist, der mir über Jahre hinweg ein zweites zu Hause war, ist und immer sein wird, einfach nicht kritisieren. Wobei Kritik eigentlich ein durchaus wirksames Medium ist um Abläufe zu modifizieren, neue Denkanstöße anzuregen und positive Änderungen durchzuführen.

Eigentlich gibt es nicht viel zu kritisieren. Im Großen und Ganzen läuft eh alles rund. Die Vereinsführung arbeitet grandios. Man ist bestrebt die Wiener Viktoria zu großen Erfolgen zu führen. Man ist bemüht ein Umfeld zu schaffen auf das manch Bundesligaverein neidig sein wird. Es wurde mit „Forza Leiwand“ ein Leitspruch geschaffen, der im österreichischen Fußball seines Gleichen gesucht.

Dem Verein steht ein Trainerteam zur Verfügung, welches auch in der österreichischen Bundesliga mehr als erfolgreich arbeiten könnte. Wir können auf einen Spielerkader zugreifen, der viel Potential in sich hat, und der – wenn das Werkel wirklich läuft – einem das Entzücken ins Gesicht zaubern kann.

Nur konnte man am vergangenen Samstag von all dem nichts erkennen. Nicht mal ansatzweise erahnen. Es war einfach der Wurm drinnen. Tief und festgefressen. Vielleicht bin ich so deprimiert, weil ich den faulen Wurm nicht ausfindig machen kann. Bilde ich mir den Schmarotzer nur ein? Möglicherweise übertreibe ich auch. Immerhin ist die Mannschaft im Frühjahr noch ungeschlagen.

Ich sehe es anders. Die Mannschaft könnte den zu Ende der Herbstsaison „aufgerissenen“ Rückstand bereits aufgeholt haben, mit läppischen 3 Punkten zurück bereits an der Tabellenführung kratzen. Egal ob ein Aufstieg aus Lizenzgründen möglich wäre oder nicht. Man könnte vorne auf sich aufmerksam machen, zeigen in welche Richtung wir unterwegs sind, allen zeigen was wir mit geeigneter Infrastruktur draufhätten, und wo wir in Zukunft hinwollen und hingehören!

Ich hatte mir in der Vorwoche so ein schönes Drehbuch für das Spiel einfallen lassen. Ich war auch fünfundfünfzig Minuten lange überzeugt, dass die Mannschaft mein fast kitschiges Skript umsetzt und die drei Punkte locker nach Hause spielt. Ich wartete auf den Funken, der das fußballerische Feuerwerk zünden würde. Auch in der sechzigsten, siebzigsten und selbst in der achtzigsten Minute wartete ich auf die Initialzündung. Auch noch in der dreiundneunzigsten. Ich warte leider noch immer. Nein, Spaß! Natürlich warte ich nicht mehr. Ich kämpfe ja seit Schlusspfiff mit meiner Niedergeschlagenheit, meinen Fußball Depressionen.

Noch dazu ereilte mich gestern die Männergrippe, ein Schnupfen. Gepaart mit den seelischen Problemen also eine mich ans Bett fesselnde, schwere Erkrankung. Diese hindert mich sogar morgen die Wiener Viktoria in die Donauauen zu begleiten. Ich werde daher die vorösterliche Auferstehung der Viktorianer verpassen, die wie der Phönix aus der Asche steigen werden und uns drei Punkte mit nach Meidling bringen werden.

Jetzt wird sich manch Einer denken, wie schön Fieberphantasien sind. Sie stellen dich ruhig und du schläfst dich gesund, fernab der Realität. Nein, ganz und gar nicht. Ich stehe einfach auf die Mannschaft. Ich weiß, was sie kann und was sie zu leisten im Stande ist. Ich denke, sie wird sich die letzten Auftritte zu Herzen nehmen und wird alles Menschenmögliche geben um sich zu rehabilitieren. Ich halte den Jungs vom Krankenbett aus die Daumen, werde über Liveticker (im wahrsten Sinne des Wortes) mitfiebern und bin überzeugt, dass sie den störenden, ekligen Wurm aus der Mannschaft vertreiben werden.

Forza Leiwand, Gerhard

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